28 April 2012

Macht Euch Gedanken! - Ein Kommentar.

Wieder ein mahnender Zeigefinger, wieder eine Aufforderung zu den Wurzeln des Journalismus zurückzukehren. Und warum? - Weil es notwendig ist! So kann es zumindest nicht weitergehen, findet Autor Tobias Lentzler.

"Schlechte Nachrichten sind die besten Nachrichten", so sagte Elliot Carver, der fiktive Medienmogul aus dem Bond-Film "Tomorrow Never Dies" von 1997. - Heute hat man eher das Gefühl, dass jede Nachricht begierig aufgegriffen, schnell gepostet und schnell wieder vom Netz genommen wird. Eine Auswahl, eine Korrektur, Überprüfung, Veredelung - alles Merkmale des Qualitätsjournalismus - werden nicht mehr vorgenommen. Es reicht nicht, dass unter Nachrichten das Kürzel "dpa" gesetzt wird und möglicherweise ein Redakteur der jeweiligen Online-Seite ein paar Änderungen vorgenommen hat - dafür lesen wir keine renommierten Online-Seiten wie "Stern online" oder "Spiegel online". Und auch nicht deren Printmagazine. Wir erwarten eine Einordnung in einen Kontext, welcher Gestalt auch immer. Sei er politischer, wirtschaftlicher, kultureller oder historischer Natur.
Gesammelte "ZEITmagazine", Foto: Tobias Lentzler
Eine Gesellschaft, die mit einer Fülle an Daten und Informationen konfrontiert ist, braucht Journalisten, die den Überblick behalten, die sich nicht an einer Nachricht verbeißen, sondern sie einordnen. - Die Echtzeitübertragung von Nachrichten führt zu einer automatischen Überforderung des gemeinen Internetnutzers. Was soll dieser von einer Welt halten, in der gleichzeitig ein Bombenanschlag nach dem anderen verübt wird, während irgendwo auf der Welt ein paar D-Prominente im australischen Dschungel um Beistand betteln? - Bei dieser Zuspitzung schüttelt hoffentlich jeder den Kopf. So kann es nicht funktionieren! - Wenn man nach dem prägendsten Ereignis des März 2011 (Erdbeben in Japan mit der anschließenden Havarie des Atomkraftwerkes Fukushima) fragt oder nach dem Zeitraum in dem Anders Breivik ein Massaker auf Utoya (Juli 2011) anrichtete, werden viele Menschen nicht antworten können. Es sei doch so viel passiert im Jahre 2011, sagen sie dann. - Das stimmt nicht! Es wird nur mehr nach außen transportiert. - Wie oft musste man letztes Jahr von Zsa Zsa Gabors Beinamputation lesen, wie oft von irgendwelchen Stürmen, die Namen bekamen und plötzlich zu großen Stars der Meteorologen wurden.

Liebe Journalisten, macht Euch eigene Gedanken! Sortiert, filtriert, falsifiziert, verifiziert und schreibt spannend, prägnant und schön. - Diese Anforderungen muss man in heutigen Zeiten an den Beruf des Journalisten stellen, damit er sich nicht selber überflüssig macht!

13 April 2012

"Ideen kosten ja erstmal nichts!" - Shary Reeves und Ralph Caspers im Interview.

10.Februar 2012 - es ist 15 Uhr und in Köln scheint die Sonne. Im Büro von Ralph Caspers treffe ich Shary Reeves und Ralph Caspers, die Gesichter von "Wissen macht Ah!". Ein kleiner Traum meiner Kindheit geht mit diesem Interview in Erfüllung. Eine Dreiviertelstunde dauert unser Gespräch. Ein oft gehörtes Geräusch hierbei: Lachen. 


Tobias Lentzler: Liebe Shary, lieber Ralph! Wer hat eigentlich die Idee zu „Wissen macht Ah!“ gehabt?

Ralph: Shary und ich haben vorher mit Tina Halverscheid beim „Maus-Club“ zusammengearbeitet. Als der dann irgendwann nicht mehr weiterlief, hat sich die Redaktion mit uns zusammengesetzt und jeder hat ein bisschen etwas dazu gesagt, wie er sich eine neue Sendung vorstellen könnte. Am Ende war „Wissen macht Ah!“ also ein Gemeinschaftsprodukt.

Tobias Lentzler: Was fasziniert Euch beide denn so an der Sendung? Ihr macht das ja immerhin schon mehr als zehn Jahre.

Shary: Was mich besonders fasziniert, ist die Resonanz, die man bei denjenigen mitbekommt, die diese Sendung gucken. Das ist ein sehr gemischtes Publikum. Viele Kinder schauen uns, aber auch Erwachsene und Rentner! – Ich lerne natürlich auch sehr viel durch die Sendung. Das fasziniert mich natürlich zusätzlich.

Ralph: Und mich fasziniert vor allem Shary! (lacht) Das ist der einzige Grund weshalb ich die Sendung überhaupt mache!  - Nein. Was mich fasziniert ist, dass „Wissen macht Ah!“ im Studioteil ein bisschen wie ein Autorenfilm ist. Ich kann mich austoben, kann alles mögliche machen und Shary macht alles mit!

Shary: Stimmt! (lacht)

Tobias Lentzler: Du musst alles mitmachen.

Ralph: Nein, sie muss nicht! Sie könnte sagen: Ralph, bis hierhin und nicht weiter. Aber das kam noch nicht vor.

Tobias Lentzler: Wo wir gerade schon bei dem Studioteil sind – habt ihr eine Lieblingsfolge oder eine Lieblingsmoderation? 

Shary: Ich habe eine. Die „Weltherrschafts“-Folge. Das ist wirklich eine meiner absoluten Lieblingsfolgen. 

Ralph: Ich finde, dass es in jeder Sendung etwas Tolles gibt! Dann denke ich immer: Wahnsinn, dass wir das gemacht haben! 

Tobias Lentzler: Shary, Du hast eben schon gesagt, dass Du durch „Wissen macht Ah!“ unglaublich viel lernst. Wie bereitet ihr Euch denn auf eine Sendung vor? 

Ralph: Ich lese sehr viel oder unterhalte mich mit Experten. Manchmal rufe ich auch Vereine oder Gesellschaften an, die sich mit einem bestimmten Thema besonders gut auskennen. Die vermitteln einen dann meistens weiter. 

Tobias Lentzler: Wie viel von dem Wissen, das ihr in Erfahrung bringt, bleibt bei Euch hängen? Könnt Ihr das abschätzen?

Shary: Bei mir das, was mich interessiert. 

Ralph: Bei mir einhundert Prozent! – Nein, wirklich. Du kannst mich alles fragen, was wir je in einer Sendung hatten und ich kann es Dir im Grunde genommen sofort erklären.

Tobias Lentzler: Ralph, Du hast eben schon gesagt, dass Du Dich oft mit Experten, die ein bestimmtes Spezialgebiet haben. Würdest Du sagen, dass dieser persönliche Austausch immer noch wichtiger als das Internet als Quelle ist oder vollzieht sich da ein Wandel?

Ralph: Das Internet ist total wichtig – das ist unbestreitbar! Zum Beispiel vergesse ich immer wie groß nun DIN A3 ist. Aber bei allen spezielleren Fragen würde ich mich nicht bloß auf das Internet verlassen. 

Tobias Lentzler: Wie seid ihr eigentlich zum Fernsehen gekommen?

Shary: Ich habe zuerst mit meinen Geschwistern zusammen Musik gemacht und habe in dieser Zeit mit ihnen einen TV-Spot zum Thema Ausländerfeindlichkeit in Deutschland gedreht, den der WDR produziert hat. Dort sind sie auf meinen Bruder aufmerksam geworden, der später dann die Sendung „Lollo Rosso“ moderiert hat. Für ein neues Format, den „Maus Club“ wollte man meinen Bruder auch casten, aber da der ja bereits eine Sendung hatte, wurde ich zum Casting eingeladen. Dort haben Ralph und ich uns dann kennengelernt. Die Redakteurin Ulrike Müller-Haupt kam nach dem Casting zu mir und sagte, dass sie mich unabhängig von dem Urteil der externen Casting-Firma gerne dabei haben würde. Die Wahl fiel auf mich – dann habe ich zunächst den Maus-Club moderiert, der dann ja in „Wissen macht Ah!“ überging.

Ralph: Ich war zufälligerweise auf einem Videoband drauf, das der Programmchef von Super RTL gesehen hat. Er meinte ich sei perfekt für eine Tiersendung. Somit habe ich erst mal eine Tiersendung auf Super RTL moderiert! 

Tobias Lentzler: Ihr habt erst den Maus-Club gemacht, jetzt Wissen macht Ah! Es scheint Euch beiden sehr wichtig zu sein Wissen zu vermitteln – warum und wie macht man das am Besten?

Shary: Ich hatte nie das Ziel irgendwann Wissen zu vermitteln – ich bin da so reingerutscht! Mir hat es aber Spaß gemacht und ich wusste relativ zeitnah, dass ich das gerne auch weitermachen würde.

Ralph: Ich bin auch so reingerutscht und habe dann ziemlich schnell gemerkt, dass ziemlich viel Nonsense und Quatsch machen kann, wenn man als Grundlage die Wissensvermittlung hat!  Keiner ist mir böse, wenn ich in der Nase bohre und den Popel aufesse. Zunächst denken alle Zuschauer: Igitt! – Doch das Tolle ist, dass wir gleichzeitig vermitteln, wie das mit den Nasenschleimhäuten funktioniert oder dass wir erklären, dass wir dies nur können, weil wir die Krone der Schöpfung sind, nämlich Trockennasenaffen. Wir müssen Popel aus der Nase herausklauben, weil unser Nasensekret immer eintrocknet. Orang-Utans machen das zum Beispiel auch. Im Gegensatz dazu gibt es Feuchtnasenaffen. – Ich glaube es gibt kein anderes Tier, das so popelt wie wir Trockennasenaffen!
Du siehst – bei dem ganzen Quatsch den wir in der Sendung machen können, bleibt auch etwas hängen! (lacht)
Shary: Wenn Kinder einen Hamburger mit einem Salatblatt dazwischen gegessen haben, merken sie oft nicht, dass sie auch etwas Gesundes gegessen haben. So beschreibt eine unserer Autorinnen immer unsere Art Wissensvermittlung – ich finde das ist eine ganz gute Beschreibung! (lacht)

Tobias Lentzler: Wie schafft man es in einer immer schnelleren und „internetlastigeren“ Welt Kinder oder Erwachsene zu Stammsehern zu machen oder das Sendeformat erfolgreich zu gestalten?

Ralph: Ich glaube, dass ist eher eine Senderfrage. Wir arbeiten da nicht bewussst dran. Wir machen nur das, was uns Spaß macht! Das große Glück ist, dass KiKa vier Mal die Woche um 19:25 Uhr unsere Sendung ausstrahlt. Die Zuschauer wissen, dass sie nur den KiKa anschalten müssen, um Shary und mich zu sehen. Dieses Immer-Da-Sein, diese Verlässlichkeit ist das Beste, was einem passieren kann! 

Shary: Es ist einem als Erwachsener nicht peinlich „Wissen macht Ah!“ zu gucken, weil es nicht nur ein Format für Kinder ist. 

Tobias Lentzler: Wie wichtig ist es denn, dass die Chemie unter einem Moderatoren-Duo stimmt, damit ein Format so lange funktionieren kann?

Ralph: Das ist nur eine Rolle! (alle lachen) Quatsch! – Shary und ich sind wie ein altes Ehepaar. Wir kennen uns seit dreizehn oder vierzehn Jahren und haben für „Wissen macht Ah!“ fast 330 Sendungen aufgenommen. Manche Moderationen kann man nur machen, wenn man sich schon lange und gut kennt – Lippensynchronisation zum Beispiel. 

Tobias Lentzler: Wie oft trefft Ihr Euch denn im Jahr, um neue Sendungen zu drehen?

Ralph: Wir treffen uns ungefähr 25 Mal im Jahr. Das Schöne ist also, dass Shary und ich uns mindestens 25 Tage im Jahr sehen. Interviews wie heute zum Beispiel kommen noch dazu. 

Tobias Lentzler: Pflegt Ihr eigentlich eine private Freundschaft oder trefft ihr Euch privat?

Ralph: Privat eher nicht. Das läuft eher auf professioneller Ebene ab. Das liegt aber nicht daran, dass ich Shary unsympathisch finde oder dass sie mich nicht mag. Es liegt eher daran, dass Shary so beschäftigt ist, dass sie kaum Zeit für mich hat.

Shary: Ich werde es ändern! (lacht)

Tobias Lentzler: Gibt es etwas, was ihr beiden besonders aneinander bewundert oder schätzt?

Ralph: Ich finde toll, dass Shary genau das Gegenteil von mir ist – in jeder Beziehung! Ich bin etwas länger, schlaksig, blass und männlich und Shary ist genau anders herum.

Shary: Ich sehe das ehrlich gesagt genauso! 

Ralph: Wir sind so etwas wie ein „odd couple“, etwas wie Jack Lemmon und Walther Matthau. 

Tobias Lentzler: Shary, Du hast früher Profifußball gespielt, stimmt das?

Shary: Ja, aber bei den Frauen ist das lange nicht so schwierig wie bei den Männern. Wir hatten zwar eine gute Quote bei der WM in Deutschland 2011 – im Schnitt etwa 16 Millionen, aber jetzt hat man wieder das Gefühl, dass der Hype um den Frauenfußball wieder verschwunden ist. Das stimmt jedoch nicht. Frauenfußball wird noch professioneller und in zehn oder fünfzehn Jahren werden Frauen sehr viel Geld mit Fußball verdienen können. Ich habe kein Geld damit verdient! Ich habe bis 2003 gespielt und da gab es gerade einmal Fahrgeld! 

Tobias Lentzler: Ralph, Du hast verschiedene Sendekonzepte entwickelt, bist für die „Sendung mit der Maus“ nach Indien und Südafrika gereist und moderierst „Wissen macht Ah!“ – würdest Du das als eine Form von Wissensdurst bezeichnen oder wonach suchst Du, wenn Du all das ausprobierst? 

Ralph: Ich habe keine Ahnung wonach ich suche. Ich bin da immer nur so reingerutscht.

Tobias Lentzler: Bist Du auf Reisen denn nur für die Sendungen weg oder bildest Du Dich dort auch weiter und machst eigene Erfahrungen?

Ralph: Das kann ich nicht voneinander trennen. Ich mache immer persönliche Erfahrungen, wenn ich auf Reisen bin. Freiwillig würde ich aber niemals irgendwo anders hinfahren. Insofern ist es eine erzwungene Erfahrung und dennoch nicht von mir zu trennen, weil ich dann ja vor Ort bin! – Ich lasse mich dann auch auf alles ein. Ich gehe nicht nur zum Dreh und schließe mich danach in meinem Hotel ein. Das wäre ja ziemlich doof!

Tobias Lentzler: Gibt es TV-Moderatoren, die Du bewunderst oder bewundert hast. Das passt gerade nicht in den Zusammenhang, stand aber gerade auf meinem Zettel.

Ralph: Ich fand Hape Kerkeling immer schon prima! Mehr fallen mir gerade gar nicht ein.

Shary: Ich finde Kerkeling auch großartig.

Ralph: Shary, kennst Du eigentlich Ray Cokes? Den fand ich auch immer super.

Shary: So ein schlaksiger Typ, oder? – Ja, ich weiß wen Du meinst! – Ich finde Anke Engelke auch großartig. 

Tobias Lentzler: Woher kommen eigentlich all diese Gegenstände, Dinge oder Phänomene, die ihr in Wissen macht Ah! Erklärt?

Ralph: Meistens von meiner Mutter. (lacht – Ralphs Handy klingelt.  Er geht ran, legt auf. Das Telefon klingelt.) 

Shary: Natürlich berücksichtigen wir unabhängig davon auch Fragen der Zuschauer oder können eigene Fragen stellen.

Ralph: Es gibt einen großen Fragentopf, in den alle Fragen eingehen und wenn wir Sendungen planen, dann schauen wir aus welchen Fragen wir einen Film machen könnten. Falls wir eine Frage schon einmal in einer Sendung beantwortet haben, beantworten die netten Mitarbeiter aus dem Postbüro die Fragen und sendet sie an die Zuschauer zurück.

Shary: Ein Auswahlkriterium für Fragen ist immer, ob man eine Geschichte dazu erzählen kann. Manche Fragen kann man in einem Satz beantworten und andere sind zu komplex. 

Tobias Lentzler: Habt Ihr noch bestimmte Ziele mit „Wissen macht Ah!“ ? Dinge, die ihr unbedingt machen wollt?

Ralph: Ziele? – Erst einmal weitermachen. Ich für meinen Teil bin total planlos! Es gibt ja viele Leute, die einen Jahresplan oder einen Zehnjahresplan haben. Die wissen sogar schon, wie sie bestattet werden wollen. So etwas habe ich nicht – ich lasse mich ein bisschen treiben oder rutsche irgendwo rein.

Tobias Lentzler: Warum ist die Fangemeinde von „Wissen macht Ah!“ so groß?

Ralph: Die Jungs lieben Shary...

Shary: ...und die Mädchen lieben Ralph!

Ralph: Und die Eltern lieben...

Shary: ...ihre Kinder, die uns lieben.

Ralph: Ich habe keine Ahnung, warum die Fangemeinde so groß ist! Wir haben das große Glück, dass das was uns Spaß macht offensichtlich auch einer Menge anderer Leute gefällt! 

Tobias Lentzler: Ich frage mich die ganze Zeit, was es im Kinderfernsehen für Tabus gibt. Gibt es überhaupt welche?

Shary: Fällt mir gerade auch nicht ein. (überlegt).

Tobias Lentzler: Würdet ihr bestimmte Dinge denn nicht zeigen wollen?

Ralph: Eigentlich kann man über alles berichten, da wir ja einen sehr sachlich-wissenschaftlichen Ansatz verfolgen. Natürlich können wir keine pornografischen Inhalte zeigen – das ist ja klar. Aber wir haben schon Filme über Politik gemacht und können sogar Filme über Architektur drehen. 

Shary: Wir persönlich haben da auch keine Probleme mit, glaube ich!
Gibt es Themen, die Eurer Meinung nach zu wenig bearbeitet werden?

Ralph: Themen nicht. Aber Kindern wird selten eine Haltung vermittelt. Es ist völlig okay mal auf die Nase zu fliegen. Nur wer Sachen ausprobiert, kommt weiter! Wer immer schaut, was die anderen gerade machen, wird niemals etwas Neues machen oder erschaffen können! Leider wird das Scheitern Kindern in der Schule oft abtrainiert. Wenn man ein Problem hat, hilft es nichts, wenn man bestimmte Fakten kennt, wenn man nicht gleichzeitig noch die Gabe hat, dieses Problem zu lösen oder dieses anders und intelligent zusammenzusetzen.
Kreativität ist im Grunde genommen das höchste Gut. Von zehn Ideen sind neun schlecht, aber Ideen kosten ja erst einmal nichts. Selbst wenn man nach dem zehnten Mal immer noch ins Klo greift, muss man einfach weitermachen. Man darf keine Angst vor dem Scheitern haben! Wir müssen akzeptieren, dass Scheitern zum Leben dazugehört.

Tobias Lentzler: Findest Du, dass sich das Niveau der Wissensvermittlung im Fernsehen verändert hat?

Shary: Seitdem wir die Sendung machen? – Auf jeden Fall! Es gibt mittlerweile viele Wissensformate in allen Programmen. Zwar kann ich nicht beurteilen, wie diese sich nach Außen darstellen, aber vor Jahren kam wirklich ein neuer Schwung von Wissensmagazinen ins Fernsehen! 

Tobias Lentzler: Letzte Frage: Was wünscht Ihr Beiden Euch für die Zukunft von „Wissen macht Ah!“ und für Euch beide?

Shary: Ich wünsche mir, dass ich noch so lange mit Ralph „Wissen macht Ah!“ machen kann wie wir beide glauben, dass es noch funktioniert! 

Ralph: Hm. Was wünsche ich mir denn? – Ich wünsche mir eine Redakteurin, die genug Vertrauen in die Dinge hat, die wir machen. Denn die muss das vor dem Sender ja schlussendlich vertreten. Und ich glaube, die haben wir zurzeit! Das ist das Beste, was man sich wünschen kann! 

Tobias Lentzler: Vielen Dank! 

Ralph: Bitte! Und jetzt stell Dir vor, Dein Diktiergerät hätte es nicht aufgenommen. (alle lachen)

06 April 2012

Essay: Alleine, aber niemals einsam.



Dieser Essay entstand im Rahmen einer Philosophiehausarbeit im März 2012. Es geht um die Veränderung von Freundschaften durch soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook.


Es ist schon seltsam. Je mehr Kontakt wir mit unseren Mitmenschen haben, desto weniger echte Freunde haben wir. Zumindest nach der inzwischen vielleicht veralteten, allgemeinen, wenn auch teils unterschiedlich ausgelegten Definition von Freundschaften. Der Hamburger Psychotherapeut Michael Schellberg definierte den Begriff Freundschaft auf „Welt online“ einmal als „exklusive Beziehung“ und als „Liebe mit Verstand“[1]. – In Zeiten von Facebook, Twitter und Co. wird ein hinzugefügter Kontakt sofort als „Freund“ definiert, auch wenn viele dieser Personen einem gerade das erste Mal in seinem Leben über den Weg gelaufen sind. In diesem Essay möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob wir den Begriff der Freundschaft aufgrund der Übernutzung des Wortes „Freund“ durch die sozialen Netzwerke neu definieren müssen und was echte Freunde heutzutage leisten müssen, um als solche angesehen und akzeptiert zu werden. Der ethischen Frage nachzugehen, was Freundschaften einem in der heutigen Welt bedeuten sollten, führt in diesem Essay leider zu weit, doch denkbar ist diese Fragestellung als Gegenstand für nachfolgende Essays oder einen Ausbau des Vorliegenden. Philosophisch relevant ist dieses Thema insofern als das Freundschaften in dem Leben eines jeden einzelnen Menschen eine wichtige Rolle spielen. Sie tragen zur Charakterbildung, Herzensbildung und zur Ausbildung einer bestimmten Geisteshaltung bei. Da unser traditioneller Begriff von Freundschaften nunmehr durch die sozialen Netzwerke und die immer schnellere und umfassendere Digitalisierung der Welt infrage gestellt und möglicherweise gar umdefiniert wird, erscheint es notwendig, sich philosophisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Die Neudefinition des Wortes „Freund“
Wer ein Facebook-Konto eröffnet hat zu Beginn keinen einzigen Freund – zumindest in der digitalen Welt. Diese Freunde müssen erst durch einige Klicks hinzugefügt beziehungsweise angefragt werden. Es gilt als unhöflich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook abzulehnen und daher nehmen die meisten an. Problematisch ist hierbei nur, dass nicht wie in Google Plus, wo die so genannten „Circles“ die Freundesgruppen in verschiedene Kategorien gliedern, Unterschiede in der Definition der Beziehung zwischen den Menschen, die sich dort miteinander „befreunden“ gemacht werden, sondern jeder gleichbehandelt wird. Ein Freund ist nunmehr also eine bloß schnell hinzugefügte Person, die wir noch nicht einmal näher kennen müssen – es reicht, dass sie in meinem Umfeld lebt oder die gleiche Schule besucht. Der Begriff „Freund“ wird somit umdefiniert. Der alte Wunsch in jeder Lebenssituation von seinen Freunden umgeben zu sein, ist durch Facebook erfüllt worden – wir sitzen alleine vor dem Computer, doch sind dabei niemals einsam wenn wir chatten, mailen oder „facebooken“ können. Andererseits ist diese Freundschaft eine Falsche. Freundschaften bestanden früher aus dem persönlichen Austausch, einer persönlichen Bindung zueinander, einer stimmenden Chemie und sind vor allem Bindungen, die schon eine längere Zeit bestehen – jetzt kann eine Freundschaft durch ein paar digitale Daten oder Versprechungen geschlossen werden. Neue Freunde sind so flüchtig wie die Daten selbst aus denen sie entstanden sind. Denn manchmal treffen sich Personen, die sich auf Facebook unterhalten haben in ihrem echten Leben, erkennen sich nicht, haben sich nichts zu sagen oder beachten einander einfach nicht. Die Neudefinition des Wortes Freund ist also: „Eine durch einen kurzen Klick erworbene real existierende Figur, die mich kennt, über mich gehört hat oder durch eine persönliche Angabe in einem sozialen Netzwerk an mich gebunden ist.“ Das Wort Freund hat somit eine Umdeutung erfahren.

Was echte Freunde leisten müssen.
Wie etwas weiter oben schon angedeutet, definieren sich echte Freundschaften auch durch den Faktor Zeit. Eine Person, die ich im wirklichen Leben kennengelernt habe, wird durch die Zeit, die man sich kennt, im Idealfall an mich gebunden sowie ich an sie gebunden werde und wird somit ein Freund. In einer Welt, wo Beziehungen immer oberflächlicher werden und wir unser Leben dem schnellen Datenfluss anpassen, bekommt das Warten, das Halten einer Bindung eine neue und entscheidendere Bedeutung. Eine Freundschaft basiert auf Zeit. Und jene muss man sich geben. Echte Freunde müssen also Zeit füreinander aufwenden. Zusätzlich müssen echte Freunde von der digitalen Selbstdarstellung des Freundes absehen können und dürfen ihn nicht nur nach „Online-Kriterien“ werten. Was selbstverständlich erscheint, wird oft genug untergraben. In einem jeden jugendlichen Erfahrungskreis ist es schon vorgekommen, dass Missverständnisse, die online entstanden sind, einen Einfluss auf die reale Beziehung zwischen Freunden hatten. Gibt man „Missverständnisse online“ bei google ein, erhält man über 1,79 Millionen Ergebnisse.[2] Des weiteren müssen Freundschaften traditioneller Art ihren traditionellen Charakter bewahren. Geheimnisse dürfen nicht erzählt- und Freunde nicht belogen werden. Sie müssen füreinander da sein, miteinander lachen und miteinander streiten können ohne, dass dabei die Freundschaft entzwei geht. Es lässt sich also sagen, dass Freundschaften in der heutigen Welt vor allem um den vorangigen Faktor Zeit erweitert wurde. Hinzu kommt, dass sich Freunde darüber bewusst sein müssen, dass die Online-Darstellung nicht immer der wirklichen Darstellung gleicht. Daher sind persönliche Treffen noch wichtiger als vor einigen Jahren. Das Berühren, der Augenkontakt und die echte Stimme, binden Menschen aneinander und machen sie einem vertrauter.

Abschließend lässt sich sagen, dass echte Freundschaften in der heutigen Welt durch die vielen Informationen und persönlichen Daten, die wir über uns veröffentlichen, fragiler geworden sind, weil viele Menschen lediglich die Online-Darstellung eines Anderen werten. Zu dem wichtigen Prozess des Kennenlernens und des Treffens voneinander ist also noch gekommen, dass man zwischen der Online-Darstellung und der wirklichen Wirkung einer Person unterscheiden muss. Dieses Erkennen der Unterschiede in der jeweiligen Darstellung erfordert Zeit.
Das Wort „Freund“ hat durch Facebook und Co. eine Umwertung beziehungsweise Neudefinition erfahren – diese Freunde kann man schnell loswerden. Doch echte Freunde sind aneinander gebunden. Man wird sie nicht so schnell los – und man sollte sich überlegen, ob man sie überhaupt loswerden will!