01 September 2013

Rezension: "Sequel To The Prequal" von Babyshambles. - Der kindliche Dandy wird erwachsen.

Das ursprünglich für den 02.September angekündigte Album "Sequel to the Prequal" von den Babyshambles um Frontmann Pete Doherty, ist seit dem 30.08. in Deutschland erhältlich. Schon die vorab veröffentlichten Songs "Nothing Comes To Nothing" und "Farmer's Daughter" sowie "Dr. No" ließen auf ein gutes bis sehr gutes Album hoffen. Dieser Eindruck hat sich nun bestätigt. Obgleich Doherty und seine Babyshambles inzwischen sehr clean (zumindest im Sinne der Soundqualität) klingen und der Indie-Rock nun endgültig dem Indie-Pop gewichen ist, wirkt das Album nicht im mindesten wie ein Spagat zu Dohertys vorigen Musikprojekten.


Pete Doherty und die Babyshambles sind zurück! Endlich, möchte man sagen. Nach dem Album "Shotter's Nation" von 2007 haben die Babyshambles in den Folgejahren kaum mehr von sich reden machen. Nach "Grace/Wastelands", Dohertys gelungenem Solo-Album, wurde es für seine Verhältnisse recht still um ihn. Die Geschichte ist inzwischen oft erzählt: Doherty und die Libertines feierten 2010 eine hochbezahlte Reunion und schürten die Hoffnungen auf ein neues Album und einen Fortbestand der Libertines gewaltig. Doch nach den Auftritten in Leeds/Redding war erneut Schluss. Es kam einfach nichts mehr. Zwar äußerten sich Doherty und sein kongenialer Partner Carl Barat in den letzten Jahren immer wieder positiv über ein mögliches Comeback der Libertines, doch bis heute bleibt es ungewiss wann und ob die Libertines je wieder einen gemeinsamen Song aufnehmen. (Anmerkung September 2014: Inzwischen haben die Libertines ihr Bühnen-Comeback gegeben und arbeiten, wenn man Doherty und Barat Glauben schenken mag, an einem neuen Album, welches 2015 erscheinen soll.) -
Die Babyshambles derweil standen mehrfach kurz vor dem Aus - zumindest, wenn man der Presse glauben schenken mag. Als Adam Ficek, der hochtalentierte Schlagzeuger 2010 aus der Band austrat, wurde einmal mehr über das Ende der 2003 als lose Kombo gebildete Band spekuliert. Doch Danny Goffey ersetzte Ficek und die Fangemeinde Dohertys hoffte weiter auf ein neues Album. Der Ex-Libertine saß wegen Kokain-Besitzes im Knast, klaute in Regensburg mit August Diehl eine Gitarre, musste den Tod seiner Freundin Amy Winehouse verkraften, zog nach Paris und drehte einen erfolglosen Kostümfilm und tourte immer wieder solo landauf, landab. Alles in allem waren die Jahre 2009 bis 2013 aufregende Jahre für den "kindlichen, weltfremden Dandy" wie ihn laut.de einmal so treffend beschrieb.
Als das Album "Sequel To The Prequal" angekündigt wurde, wurden die Fans schnell in ihrer Anfangseuphorie gebremst. War nicht schon im Jahr 2010 ein Album angekündigt worden, welches dann einfach nicht erschien? Ohne Begründung? - Man machte sich nicht allzu große Hoffnungen und wurde dann um so freudiger überrascht als das Album tatsächlich aufgenommen und promotet wurde. Der vorab veröffentlichte Song Nothing Comes To Nothing war klug gewählt. Er deutete an in welche Richtung Doherty und seine Babyshambles sich entwickelt hatten. Sie waren cleaner, was den Sound anbetraf und poppiger geworden. Die Songwriter-Qualitäten jedoch waren Peter Doherty keinesfalls abhanden gekommen.

Jeder der zwölf neuen Songs - von dem an die frühen Babyshambles-Tage erinnernden Fireman bishin zu dem düsteren und wahrhaft brillanten Minefield  - besitzen eine eigene Qualität. Sie entwickeln im Hörer unterschiedliche Szenerien und Bilder. In sich sind sie kleine, abgeschlossene Miniaturen, die durch die großartige Produzentenarbeit von Blur-Produzent Stephen Street noch einmal an Qualität gewinnen. - Besonders hervorzuheben sind Farmer's Daughter, Dr.No und Picture Me in a Hospital. Diese drei Songs tragen all die Stärken der neuen Doherty Songs in sich und deuten doch allesamt unterschiedliche Einflüsse und Stile der neuen Babyshambles an. Während Farmer's Daughter eine angenehme Midtempo-Nummer mit einem überragend singenden (!) Pete Doherty und einem eingängigen Refrain ist, deutet Dr.No einmal mehr die Verbundenheit der Babyshambles zu Reggae an. Spannend ist die Schreibmaschinen-Perkussion, die Doherty am Ende des Songs einbaut. - Picture Me in a Hospital könnte auch ein Libertines-Song sein, der irgendwann verloren ging. So einsam und schön, verloren und gleichzeitig gefasst, kommt er daher.

Alles in allem lässt sich über dieses Album kaum mehr sagen als: Hut ab für dieses Comeback! Neben dem überragenden Arctic Monkeys Album "AM" und Franz Ferdinands neuem Album, zählt Sequel To The Prequel mit Sicherheit zu den besten Alben des Jahres.

Wertung: 8,5 von 10