20 November 2013

Eine Begegnung mit Dieter Hildebrandt. - Eine flüchtige Erinnerung.

Dieter Hildebrandt galt vielen als einer der größten deutschen Kabarettisten und Humoristen unserer Zeit. Mehrere Jahrzehnte hinweg hat er uns mit teils bissigen, teils ironischen und immer amüsanten Bühnenprogrammen, Büchern oder Kollaborationen geprägt. Im Alter von 86 Jahren ist Hildebrandt am 20.11.2013 an einem Krebsleiden verstorben. 

Dieter Hildebrandt traf ich zum ersten und einzigen Mal im Frühjahr 2011 im Theater im Park in Bergedorf nach einer Veranstaltung mit Roger Willemsen. Geschlagene zweieinhalb Stunden hatten die beiden dem ausverkauften Hause die "Weltgeschichte der Lüge", ein Bühnenprogramm, dass sie 2007 uraufgeführt hatten, erzählt. Die beiden warfen sich spielend Bonmonts und Geschichten hin und her. Ihr Timing war perfekt! Hildebrandt, damals immerhin schon fast 84, wirkte wach, amüsiert und wortgewaltig. Jede seiner Pointen saß. Manchmal machte mir das schon Angst. Wie konnte es sein, dass ein 84-jähriger eine so gestochen scharfe Analyse gesellschaftlicher Umstände in so schnörkellose Worte verwandeln konnte? Ich begann ihn zu bewundern. - Nach der Veranstaltung gaben Willemsen und Hildebrandt Autogramme, verkauften Bücher, plauderten mit Gästen. Ich wartete bis die beiden auch die letzen Autogramme unterschrieben hatten und dabei waren einzuräumen. Als ich an den Tisch trat, blickte Roger Willemsen auf und lächelte: "Den kenne ich doch", sagte er. Wir schüttelten uns die Hand. Ich hatte ihn im November 2009 zu einem Interview getroffen und seitdem einige seiner Veranstaltungen besucht. Dieter Hildebrandt stellte sich vor noch bevor ich es tun konnte. Er fragte: "Hat es Ihnen gefallen?" - Ich wusste nicht wo ich ansetzen sollte und nickte. Nach einer kurzen Zeit des Schweigens (mir gingen zu viele Dinge im Kopfe umher) sagte ich dann: "Und Ihnen?" - Er musste lachen, nickte ebenfalls und frage mich was ich so machen würde. Ich begann ein wenig von mir zu erzählen, dass ich noch Schüler sei und ein Interview mit Roger Willemsen gemacht hätte. Dieter Hildebrandt grinste Willemsen an: "So ist das also - mit Dir werden Interviews gemacht. Für die Meinung eines Alten interessiert man sich wohl nicht mehr." Ich sagte, dass man das ja nachholen könne. Hildebrandt nickte. Dann kam eine Veranstalterin auf Hildebrandt und Willemsen zu und verwickelte sie in ein Gespräch. Ich stand dabei und zog mich irgendwann zurück, gab Hildebrandt und Willemsen die Hand und sagte zum Abschied: "Vielen Dank! Hoffentlich spielen Sie das Programm noch oft." Die Antwort war eindeutig: "So lange wir können", sagte Willemsen. Dieter Hildebrandt sagte: "Nein Roger, so lange ich kann." 

Aus einem Interview ist nie etwas geworden, die "Weltgeschichte der Lüge" habe ich danach nicht mehr gesehen. Aber diese eine Erinnerung die ich an Dieter Hildebrandt habe, bleibt mir. Sein Tod reißt eine Lücke in die deutsche Kabarett-Landschaft. Vor allem in die des politischen Kabaretts. Seine Fernsehstücke und Bücher aber werden bleiben. Auch über den Tag hinaus.