13 Dezember 2014

Kommentar: Schreck, lass nach! - Zur Islamfeindlichkeit und rechten Klischees der Organisation PEGIDA.

Seit ein paar Wochen machen Organisationen wie PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) mit großen Demonstrationen und islamfeindlichen Äußerungen in Dresden (etwa 10.000 Menschen), Düsseldorf, Bonn und anderen Städten Deutschlands auf sich aufmerksam. - Die Beliebigkeit ihrer Aussagen und die oft verwendeten rechten Klischees erschrecken.



Claus von Wagner fasst am 09.Dezember 2014 in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" sehr präzise und aufrüttelnd zusammen: "Die eigentliche Frage ist doch die: Wenn man das Abendland nur „verteidigen“ kann, indem man menschenfeindliches Gedankengut vor sich herträgt, was gibt es dann eigentlich noch zu verteidigen?" - Einmal mehr beweist "Die Anstalt" nicht bloß, dass Satire und Kabarett die Fähigkeit besitzen aktuelle gesellschaftliche Debatten in ihren Kernpunkten zusammenzufassen, Ungereimtheiten offenzulegen und bohrende Fragen in Richtung Politik und Gesellschaft zu stellen. Sondern auch wie schmerzhaft Wahrheiten sein können, wenn gespitzte Federn aktuelle Ereignisse aufnehmen und in scharlachroter Tinte niederschreiben. 

Mir ist unbegreiflich wie schnell sich eine Organisation wie PEGIDA gründen konnte und in welch rasendem Tempo sich die Anzahl an Demonstranten in Dresden, Düsseldorf und anderen deutschen Städten auf mehrere tausend vergrößern konnte. - Die Organisatoren, allen voran PEGIDA-Initiator Lutz Bachmann, der vorher eher durch Einbrüche, Trunkenheit am Steuer und andere gesetzliche Verfehlungen auffiel, nehmen unterschwellige Ängste eines Teils der deutschen Bevölkerung auf und nähren diese in nationalistischer, rechtsgerichteter Manier mit Verschwörungstheorien, kruden und schlichtweg faktisch falschen Äußerungen über Muslime sowie andere fremdenfeindliche und rassistische Klischees. 
Dass in Dresden zuletzt 10.000 Demonstranten (darunter AfD-Mitglieder, NPD-Anhänger und Mitglieder der Neonazi-Partei Die Rechte) "Wir sind das Volk!" skandierten, bekommt einen umso faderen Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass dieser Spruch 1989 in Protestzügen der friedlichen Revolution der DDR-Bürgerinnen und Bürger gegen das SED-Regime genutzt wurde und jetzt von Populisten und Rechten für islamfeindliche Äußerungen missbraucht wird. - Es stellt sich die Frage, wer zu welchem Zwecke und mit welcher Intention an einer solchen Demonstration teilnimmt. 
Gerade heute veröffentlichte SPIEGEL Online unter Berufung auf die TNS Forschungsgruppe, dass 34 Prozent der Deutschen befänden, dass in Deutschland eine zunehmende "Islamisierung" stattfinde. 
Eindeutig zeigt sich, dass Politikerinnen und Politiker sowie Intellektuelle in Deutschland reagieren müssen! - Islamfeindlichkeit ist offensichtlich kein Randgruppen-Thema mehr sondern eine durch rechte Gruppen und Organisationen wie PEGIDA geschürte Sorge, die in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen zu sein scheint.

Es ist beängstigend wie leicht 2014 in Deutschland krude Theorien und rechtspopulistische Äußerungen auf fruchtbaren Boden fallen. Dass eine Regierungspartei wie die CSU mit ihrer unbedachten und gefährlichen Äußerung Ausländer hätten in ihren Familien Deutsch zu sprechen, diesem Feuer noch mehr Sauerstoff zur Ausbreitung zuführt, ist fahrlässig und schlichtweg inakzeptabel. Schreck lass nach! -
Lasst uns gemeinsam - welcher Religion, welcher Überzeugung oder Ansicht wir auch immer angehören - Hand in Hand und gemeinschaftlich gegen diese Organisationen ein Zeichen setzen und ihnen laut widersprechen.